Ende Oktober 1972 klapperten letztmalig die Schienenstöße im Käbschütztal: Das restliche Teilstück der „Rübenbahn“ Wilsdruff – Gärtitz (kurz: WG-Linie) hatte nach 63 Jahren aufgehört zu existieren.

In den folgenden Jahren schien Sachsens längste Schmalspurbahn zusehends in Vergessenheit zu geraten, bis sich eine Hand voll Heimatfreunde im Jahre 2002 entschloss, dem Vergessen ein Ende zu bereiten. Seitdem entstand in mühevoller Kleinarbeit das Schmalspurbahnmuseum Löthain, dessen Aktive sich das Ziel setzten, den schmalspurigen Eisenbahnen in der Lommatzscher Pflege ein Denkmal zu setzen.

Geschichte

Der Eröffnung der „schmalspurigen Secundäreisenbahn“ in den Jahren 1909 bis 1911 ging ein zähes Ringen um den Trassenverlauf in der fruchtbaren Lommatzscher Pflege voraus. Zeit des Bestehens war der Personenverkehr dem Gütertransport auf der 51,8 km langen Verbindung untergeordnet, was sich sowohl in der Trassierung als auch in der Dimensionierung der Betriebsanlagen niederschlug. Haupttransportgüter stellten – neben Hausbrandstoffen sowie Tonerden aus dem Löthainer Revier – landwirtschaftliche Erzeugnisse dar. Eine dominierende Rolle nahm hierbei die Abfuhr der Zuckerrüben zur Zuckerfabrik Döbeln ein: Von September bis Januar wurden während der sogenannten „Kampagne“ tausende Tonnen Hackfrüchte verfrachtet, was Mensch und Material bis zum äußersten forderte. Schon eineinhalb Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges zeigte sich, dass die Zeit der „Bimmelbahnromantik“ unweigerlich einem traurigen Ende entgegenstreben würde. Bedingt durch ein stark gestiegenes Individualverkehrsaufkommen und die schrittweise Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße schrumpfte das Verkehrsaufkommen bis Mitte der 1960er Jahre auf ein Minimum zusammen. Folglich stellte die Deutsche Reichsbahn zwischen 1966 und 1972 den Verkehr des Bähnchens abschnittsweise ein.

Doch was blieb über 45 Jahre nach Betriebseinstellung und Abbau erhalten?

Noch heute zeugen Brückenwiderlager, Bahndämme, Einschnitte, Laderampen sowie die Stationsgebäude vom Vorhandensein der „Rübenbahn“. Neben dem Schmalspurbahnmuseum Löthain existieren am Wilsdruffer Haltepunkt und am ehemaligen Bahnhof Beicha zwei Schauanlagen, die die Erinnerung an ein längst vergangenes Kapitel der Verkehrsgeschichte wach halten.

Das Museum

Das Schmalspurbahnmuseum Löthain hat es sich zur Aufgabe gemacht, den schmalspurigen Eisenbahnen in der Lommatzscher Pflege ein lebendiges Denkmal zu setzen. Der ständig voranschreitende Ausbau des Museums lebt nicht nur von aktiv lebenden Händen, sondern acuh von Spenden, die den weiteren Fortbestand sichern.

Die Anlage repräsentiert den baulichen Zustand der letzten drei Betriebsjahrzehnte. Das Interieur wurde mit viel Hingabe zum Detail gestaltet und spiegelt den Bahnalltag in all seinen Facetten wider. Im Umfeld der Agentur zeugen die Freileitung, Telegrafenmasten, die Laderampe sowie die Ladestraße von der einstmaligen Bedeutung der Bahnstation.

Neben diesen Details am Rande beherbergt die Ausstellung einen der ältesten erhaltenen Wagenkästen Sachsens, einen weiteren gedeckten Güterwagen sächsischer Bauart sowie ein Rollfahrzeug, welches dem „Huckepacktransport“ regelspuriger Fahrzeuge diente.

Lassen Sie das Flair früherer Tage lebendig werden und tauchen Sie in eine längst vergangene Epoche der Verkehrsgeschichte Mittelsachsens ein – als die Bimmelbahn wie die Kirche ins Dorf gehörte.

Alexander Maul (März 2018)

Nächste Möglichkeit zur Besichtigung: 1. Mai 2018 – Siehe auch https://schmalspurbahnmuseum.jimdo.com/